Ernährung und MS – Ernährungsformen bei MS im Test

Im ersten Teil dieser Artikelreihe habe ich die Frage aufgeworfen, ob eine bestimmte Ernährungsformen bei MS (Multiple Sklerose) den Verlauf beeinflussen kann. Zudem habe ich meine eigene Ernährung und die persönlichen Erfahrungen damit vorgestellt und angedeutet, dass ich dir in diesem Artikel einen Überblick über verschiedene Ernährungsformen aus dem Buch „MS und Gesund“ von Dr. Claudia Brunner vorstelle.

Doch welche wissenschaftlichen Erkenntnisse gibt es zu diesem Thema? Welche Ernährungsformen werden besonders häufig empfohlen, und was steckt hinter den unterschiedlichen Ansätzen? Im nächsten Abschnitt beleuchten wir verschiedene Ernährungsweisen, die im Zusammenhang mit MS immer wieder diskutiert werden – von vegan und Rohkost bis hin zu fleischbasierten oder glutenfreien Konzepten. Was zeichnet diese Ernährungsformen aus, und könnten sie tatsächlich einen positiven Einfluss auf MS haben? Finden wir es heraus 🚀!

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Sechs Ernährungsformen im Überblick

Die folgenden Ernährungsformen bei MS basieren inhaltlich alle auf dem Buch „MS und Gesund“ .
Ich lege dir das Buch und unabhängig von dem Thema Ernährung ans Herz. Das Buch gibt wissenschaftliche Hinweise und zahlreiche Empfehlungen für ein Leben mit Multiple Sklerose.

  1. Wahls Protocol – Die modifizierte Paleo-Ernährung
  2. Swank Diet – Die fettarme MS-Ernährung
  3. McDougall’s „The Starch Solution“ – Die Stärke-basierte Ernährung
  4. Overcoming MS (OMS) – Die entzündungshemmende MS-Ernährung
  5. Andreas Michalsen – „Mit Ernährung heilen“
  6. Michael Greger – „How Not to Die“

Das Wahls Protocol – Modifizierte Paleo-Ernährung

Das Wahls Protocol wurde von der Ärztin und MS-Betroffenen Dr. Terry Wahls entwickelt. Sie berichtet, dass sie durch eine gezielte Ernährungsweise ihre MS-Symptome drastisch verbessern konnte.

1. Wahls Protocol (Basis-Stufe): Verzicht auf verarbeitete Lebensmittel, Fokus auf nährstoffreiche und natürliche Zutaten. Fleisch ist erlaubt, Gluten ist verboten.
2. Wahls Paleo: Eine strengere Variante mit noch weniger Kohlenhydraten. Hinzu kommen Innereien, verboten sind alle Soja-Produkte,
3. Wahls Paleo Plus: Level 1 und 2 bleiben bestehen, ergänzt wird der Plan nun durch die tägliche Einnahme von Kokosnussöl und vollfetter Kokosmilch. Zusätzlich erfolgt eine Reduktion von Gemüse sowie der vollständige Verzicht auf Hülsenfrüchte, Samen und Kartoffeln.

Ein weiterer Kritikpunkt: Dr. Wahls bietet kostenpflichtige Seminare, Kurse und Partnerschaften an, was Fragen zur Neutralität ihrer Empfehlungen aufwirft.

Der Schwerpunkt dieser Ernährungsweise liegt auf einer hohen Aufnahme von Fetten und proteinreichen Lebensmitteln. Doch obwohl das Wahls Protocol von vielen Betroffenen als hilfreich beschrieben wird, gibt es wenig wissenschaftliche Belege für seine Wirksamkeit bei MS; Die vorhandenen Studien sind meist klein, haben hohe Abbruchraten und basieren oft auf subjektiven Bewertungen wie der wahrgenommenen Fatigue.

Für mich persönlich kommt die Ernährungsform aus ethischen und gesundheitsverträglichen Gründen nicht in Frage.

Die Swank-Diät – Fettarme Ernährung gegen MS

Bereits in den 1940er-Jahren entwickelte der Neurologe Dr. Roy Swank eine Diät, die auf die Annahme basiert, dass gesättigte Fette eine Rolle bei der Entstehung und dem Fortschreiten von MS spielen könnten. Seine Lösung: eine extrem fettarme Ernährung mit maximal 15 g gesättigten Fetten pro Tag, kombiniert mit einer hohen Aufnahme von ungesättigten Fettsäuren aus pflanzlichen Ölen.

Die zentralen Regeln der Swank-Diät:

✅ Kein rotes Fleisch im ersten Jahr, danach maximal 85 g pro Woche.
✅ Fettarme Milchprodukte mit weniger als 1 % Fett.
✅ Kein verarbeitetes Essen, das gesättigte Fette enthält.
✅ Mindestens 20 g ungesättigte Fette täglich (z. B. aus Olivenöl oder Nüssen).
✅ Täglicher Verzehr von Lebertran oder Leinöl für Omega-3-Fettsäuren.

Langfristige Beobachtungen deuteten darauf hin, dass Patienten, die diese Ernährung befolgten, langsamer Behinderungen entwickelten als andere. Allerdings handelt es sich nicht um eine randomisierte, kontrollierte Studie, sondern lediglich um eine jahrzehntelange
Verlaufsbeobachtung ohne Vergleichsgruppe.

Fazit: Vielversprechend, aber nicht eindeutig bewiesen!

Beide Ernährungskonzepte bieten interessante Ansätze, sind jedoch wissenschaftlich nicht eindeutig belegt. Während das Wahls Protocol stark auf eine Paleo-ähnliche Ernährung mit hohem Gemüseanteil setzt, reduziert die Swank-Diät gezielt gesättigte Fette. Ob eine dieser Diäten tatsächlich MS-Symptome lindern oder den Krankheitsverlauf verlangsamen kann, bleibt eine offene Frage, die weiterer Forschung bedarf.

MCDougall’s „The Starch Solution“ – Stärke als Basis der Ernährung

Der Internist John McDougall entwickelte seine Ernährungsweise basierend auf Beobachtungen in Hawaii: Ältere asiatische Einwanderer blieben bei einer stärkehaltigen Ernährung gesund, während ihre Nachkommen mit mehr Fleisch und Milchprodukten häufiger erkrankten.

Sein Konzept:

✅ 70 % Stärkehaltige Lebensmittel (Kartoffeln, Reis, Mais, Bohnen)
✅ 20 % Gemüse
✅ 10 % Obst
X Keine tierischen Produkte oder Milchprodukte, sowie Olivenöl, Leinöl, Sonnenblumenöl & Rapsöl
McDougalls Konzept ist nicht explizit auf MS ausgerichtet, er sieht eine pflanzenbasierte Ernährung als essenziell zur Vorbeugung und Heilung von Zivilisationskrankheiten. Nahrungsergänzungen seien nicht notwendig – außer Vitamin B12.

Bewertung für MS: Obwohl diese Ernährungsweise gesund und pflanzenbetont ist, gibt es keine wissenschaftlichen Belege für eine spezifische Wirkung auf MS. Allerdings könnte sie durch eine mögliche Verbesserung der Fatigue die Lebensqualität von MS-Betroffenen positiv beeinflussen.

Overcoming MS (OMS) – Die entzündungsarme Ernährung bei MS

Der Mediziner George Jelinek entwickelte die OMS-Diät nach seiner eigenen MS-Diagnose und stützte sie auf wissenschaftliche Studien. Sein Fokus liegt auf Fettsäuren und deren Einfluss auf MS:
✅ Gesättigte Fettsäuren könnten den MS-Verlauf verschlechtern.
✅ Omega-3-Fettsäuren (z. B. Leinöl) könnten die Schubrate senken.
✅ Milcheiweiß könnte für MS-Betroffene problematisch sein.

Sein Ernährungskonzept:

X Kein Fleisch, keine Milchprodukte
✅ Pflanzenbasierte Ernährung mit Fisch & Meeresfrüchten
✅ 20-40 ml Leinöl täglich als Omega-3-Quelle
✅ Sehr geringe Aufnahme gesättigter Fette (max. 15-20 g pro Tag)
Diese Ernährungsweise soll Entzündungen reduzieren und den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.

Bewertung für MS: Die OMS-Diät basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, jedoch fehlt der eindeutige
klinische Nachweis für ihre Wirksamkeit.
Trotzdem könnte sie durch ihren entzündungshemmenden Ansatz und die Reduktion gesättigter Fette einen positiven
Einfluss auf MS haben.
Die bisherigen Ergebnisse sind vielversprechend und bisher ist OMS unter den bestehenden MS Ernährungsformen die fundierteste!

Andreas Michalsen – „Mit Ernährung heilen“

Prof. Dr. Andreas Michalsen, Naturheilkundler und Ernährungsmediziner, ist Chefarzt der Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für klinische Naturheilkunde an der Charité Berlin. In seinem Buch „Mit Ernährung heilen“ betont er die enge Verbindung zwischen Ernährung und Gesundheit, besonders die
bedeutende Rolle des Fastens für ein längeres, gesünderes Leben.

Grundprinzipien seiner Ernährungsempfehlungen:

✅ Wenig Zucker und Süßes
✅ Kaum Fleisch, Wurst und Eier
✅ Keine Milch, wenig Milchprodukte
✅ Wenig Fisch
✅ Keine Snacks zwischen den Mahlzeiten
✅ Bevorzugt Wasser, Kaffee, Tee (wenig Alkohol & Softdrinks)
✅ Möglichst wenig industriell verarbeitete Lebensmittel
✅ Langsames, bewusstes Essen mit gründlichem Kauen
✅ Regelmäßiges Intervall- und Heilfasten

Obwohl es noch wenige Studien zur Ernährung bei MS gibt, berichtet Michalsen von positiven Erfahrungen mit ketogener Ernährung. Er empfiehlt eine vegetarische Variante der ketogenen Diät und rät von Fleisch und Milchprodukten ab. Studien deuten darauf hin, dass sowohl ketogene Ernährung als auch Heilfasten und mediterrane Kost die Lebensqualität von MS-Betroffenen verbessern können.

Bewertung für MS: ✨
Michalsens Ansätze basieren auf fundierter Forschung in der Naturheilkunde. Während der Einfluss der Ernährung auf MS noch nicht vollständig geklärt ist,
könnten Fasten und eine pflanzenbetonte Ernährung jedoch entzündungshemmend wirken und das Wohlbefinden steigern!

Michael Greger – „How Not to Die“

Der Allgemeinmediziner Dr. Michael Greger setzt sich intensiv mit Ernährung als Prävention und Heilmittel auseinander. Seine Motivation entstand durch die Genesung seiner Großmutter, die dank einer fettarmen, pflanzenbasierten Ernährung eine schwere Herzerkrankung überlebte und 96 Jahre alt wurde. 2011 gründete er das Portal www.nutritionfacts.org, wo er wissenschaftliche Studien zur Ernährung verständlich aufbereitet. In seinem Bestseller „How not to die“ untersucht er, wie eine pflanzenbasierte Ernährung Krankheiten wie Herzleiden, Diabetes, Alzheimer, Krebs und Bluthochdruck positiv beeinflussen kann.

Kerngedanken seiner Ernährungsempfehlungen:

✅ Vollwertige, pflanzenbasierte Ernährung
X Verzicht auf alle tierischen Produkte

Zudem rät Michael Greger zur Supplements wie Vitamin B12 und Vitamin D.

Bewertung für MS:
Auch wenn Multiple Sklerose in Gregers Buch und auf seinem Internetportal nur am Rande thematisiert wird, bietet sein Forschungsansatz dennoch wertvolle allgemeine Erkenntnisse über die gesundheitlichen Vorteile einer pflanzenbasierten Ernährung, die auch für MS-Betroffene von Interesse sein könnten.

Möchtest du deine Gedanken dazu mit mir teilen 💬?

Wie wir gesehen haben, setzen viele der vorgestellten Konzepte auf eine Ernährung, die Entzündungen im Körper reduziert – sei es durch den Verzicht auf gesättigte Fette, tierische Produkte oder durch gezieltes Fasten. Diese Beispiele zeigen deutlich, welche Ernährungsform besonders vielversprechend bei MS im Fokus steht: eine pflanzenbasierte Ernährung und entzündungsarme Ernährung bei MS!

Im nächsten Artikel werfen wir gemeinsam einen genaueren Blick darauf, welche konkreten Ernährungsempfehlungen sich aus den vorgestellten Ansätzen ableiten lassen und erstelle daraus eine Schnittmenge fundierten Ernährungswissens für dich. Außerdem gebe ich dir eine Idee, wie sich dieser Ernährungsstil auf den Verlauf von MS auswirken könnte.
Zum Schluss teile ich auch meine persönlichen Erfahrungen mit dir: wie ich mich ernähre und welche positiven Effekte ich auf meine MS feststellen konnte.

Bleib dran – es lohnt sich! ✨

Deine Alexandra

Empfehlung: Die Hauptinformationen dieses Artikels basieren auf diesem Buch.

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2 Gedanken zu „Ernährung und MS – Ernährungsformen bei MS im Test“

  1. Hallo Alexandra, Danke für diese Einblicke. Ich folge dir auf Instagram, so kam ich zu diesem Blog. Ich hab neben der MS noch einen Morbus Crohn und eine Milchintoleranz. Meinen Darm nehme ich daher sehr ernst und habe zu Entlastung viele Jahre 2x im
    Frühjahr und Herbst für 5-10 Tage gefastet. Das schaffe ich dieses Jahr zum ersten Mal nicht mehr, da ich plötzlich sehr beeinträchtigt bin durch MS Fatigue.
    Ich mache grundsätzlich immer wieder homöopathische Darmkuren, ernähre mich Milchfrei und koche nur selbst. Statt Weizenmehl nutze ich Dinkel, und kaufe Gemüse regional und Bio. Fleisch esse ich, aber wenig und am liebsten Bio, auch wenn’s teuer ist. Ich glaube daran: du bist was du isst.

    Ich trinke inzwischen nur noch sehr wenig Alkohol und Süßigkeiten in Maßen. Juhuu. Das freut mich. Denn das war lange anders.

    So komme ich gut zurecht. Erkennbar an meiner Verdauung.
    Ich hatte mich vor 5 Jahren 6 Monate ausschließlich mit Veganer Rohkost ernährt, es dann aber beendet. Wegen Beschwerden. Ich habe mich in dieser Zeit aber eigentlich trotz spezifischer Essensaufnahne ohne Brot etc. sehr gut genährt gefühlt mit smoothies und grünem Gemüse. Vor 2 Jahren hatte ich mich intensiv mit lektinfreier Ernährung beschäftigt. Das ist allerdings schwer umzusetzen. Beide Stile haben mir dennoch wertvolle Erkenntnisse geliefert, die meine Ernährung nach wie vor ergänzen. Reine Diäten und selbstauferlegte Zwänge lehne ich jedoch kategorisch ab. Dann hab ich erst recht Lust auf das Verbotene.

    1. Liebe Susella,

      von Herzen danke ich dir für deinen offenen und ehrlichen Einblick in dein Leben mit MS und Morbus Crohn. Es berührt mich sehr zu lesen, wie achtsam und liebevoll du mit deinem Körper umgehst – und wie konsequent du deinen eigenen Weg findest, trotz aller Herausforderungen.
      Besonders dein Hinweis auf die homöopathischen Darmkuren hat mich tief inspiriert. Ich nehme das als liebevollen Impuls, dieses Thema endlich selbst anzugehen – danke für diesen Anstoß! Ich bin überzeugt, dass dein Beitrag nicht nur mich, sondern auch viele andere Menschen bereichert. Deine Erfahrung zeigt, wie viel Kraft darin liegt, selbstwirksam und bewusst mit einer chronischen Erkrankung zu leben.

      Danke dir von Herzen für dein Teilen – es ist so wertvoll!

      Alles Liebe,
      Alexandra

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